Joseph Schumpeter (1883-1950) war für kurze Zeit Finanzminister in Österreich. Vor allem aber ist er ein wegweisender Ökonom. Der Wirtschaftshistoriker Eduard März meinte, Schumpeter, der zunächst „ein halb vergessenes literarisches Dasein führen mußte“, könne als „der führende Ökonom des kommenden Jahrzehnts“ angesehen werden.1Vgl. Joachim Starbatty (Hg.): Klassiker des ökonomischen Denkens. Hamburg 2012 (Zuerst: München 1989) Das gilt auch heute noch, weil – und damit sind wir mitten in seinem Werk – Schumpeter nach Marx der erste und letzte Ökonom war, der die Dynamiken der Wirtschaft in den Mittelpunkt stellte und mutig genug war, Zukunftsprognosen zu erstellen, auch wenn sie sich nicht zu 100 Prozent bewahrheiten sollten. Berühmt geworden ist Schumpeter für seine Ansicht, der Unternehmer sei ein schöpferischer Zerstörer und der Kapitalismus lebe von dieser „schöpferischen Zerstörung“. Die meisten, die das zitieren, haben Schumpeter aber nie gelesen und meinen deshalb fälschlicherweise, die Verdrängung von Nokia durch das Smartphone bzw. Apple – das sei „schöpferische Zerstörung“.

Schumpeter hingegen trieb die Sorge um, daß globale Konzerne wie Apple gar nicht mehr in der Lage zur schöpferischen Zerstörung sein könnten, weil sie ebenso wie Behörden zu technokratischen Einrichtungen degenerieren könnten. Er prognostizierte, der Kapitalismus werde nicht an seinen Verbrechen, z.B. der Ausbeutung von Menschen, zugrunde gehen, sondern durch den Siegeszug der „Manager“, die dann technokratisch wie Beamte agieren. Nur so könne der Sozialismus siegen.

Schaut man sich die Weltwirtschaft an, wird man Schumpeter widersprechen müssen. Schaut man sich jedoch die Deutschland AG an, so hat er voll ins Schwarze getroffen. Die Deutschland AG wurde von – im positiven Sinne – schöpferischen Zerstörern aufgebaut und von Technokraten zerstört. Schumpeter war sich zudem vollkommen im Klaren darüber, daß die Entscheidung, welche Unternehmer sich durchsetzen, bei den Banken liegt. Nur sofern sie Kapital für eine bestimmte Erfindung bewilligen, kann diese bis zur Marktreife entwickelt werden.

In Recherche D, Heft 10 (Bildung), findet sich ein ausführliches Portrait über Schumpeter!

Fußnoten