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Ebenfalls möglich: Realitätssinn vs. Weltblindheit und Kunst des Machbaren

Realpolitik konzentriert sich auf die Kunst des Machbaren und zeigt auf, wo wir hinwollen. Sie definiert ein erreichbares Ziel. Zugleich meidet sie „Was wäre, wenn …“-Debatten und eine utopische Überschätzung der eigenen Möglichkeiten, weil das langfristig Enttäuschungen hervorbringt.

Machbarkeit darf jedoch nicht als Beschränkung auf kleine Änderungen mißverstanden werden. Im Gegenteil: Sie sollte einhergehen mit einem Heroismus der Vernunft, der sich ehrgeizige Ziele setzt. Konkret: Es ist ein falsches Verständnis von Realpolitik, Steuern, Abgaben und Gebühren nur minimal nach oben oder unten drehen zu können. Man kann sie in bestimmten Fällen selbstverständlich ersatzlos streichen – wie z.B. die Rundfunkgebühr oder Grunderwerbsteuer.

Wer sich an der „Kunst des Machbaren“ orientiert, darf allerdings nicht bei der Abschaffungsforderung stehen bleiben, sondern muß skizzieren, was er statt dessen will (z.B. einen Grundfunk, der über eine Digitalsteuer für Plattformunternehmen wie Facebook, Netflix, Twitter und Amazon finanziert wird). Zudem bedeutet Realpolitik, von realen Gegebenheiten auszugehen, auch wenn diese unangenehm sind, wie z.B. die Energie-Abhängigkeit von Rußland. Ignoriert man hingegen – wie die Altparteien – diese realen Gegebenheiten, ergibt sich zwangsläufig eine falsche Politik.