Heinrich von Stephan (1831-1897) baute die deutsche Post und damit sowohl das Nachrichtenwesen als auch das deutsche Telefonnetz auf. Zudem machte er sich als Sprachpfleger einen Namen. Daß wir heute „Briefumschlag“ statt Kuvert sagen, haben wir ihm zu verdanken.
In den Dresdner Heften zur Geschichte der Elektrotechnik heißt es über Stephan: „Stephan war nicht nur Deutschlands erster Postmeister, er baute die Deutsche Reichspost auf. Er ist der Schöpfer einer einheitlichen Postgesetzgebung. Postkarten, Postanweisungen, Postaufträge und vor allem einheitliche Posttarife sowie der Worttarif für Telegramme gehen auf ihn zurück. Stephan hat auch die weltweite Vernetzung der Post organisiert und damit den Grundstock für das heutige Nachrichtenwesen geschaffen. Ihm ist es zu verdanken, dass sich die Erfindung des Telefons in Deutschland durchgesetzt hat. Mit dem Bau unterirdischer Kabelnetze in und zwischen den Städten ebnete er dem Telefonverkehr die Wege. Ersetzte sich für den Bau der Rohrpost in Berlin und anderen großen Städten des Deutschen Reichs ein. Er leitete die Reichsdruckerei. Über 2000 Postgebäude in allen Teilen des Deutschen Reiches sind mit seinem Wirken verbunden. In seiner Amtszeit hat er die Zahl der Telegrafenanstalten verzehnfacht, die der Postanstalten versechsfacht und die Zahl der Postbeamten um mehrere Zehntausend erhöht. Man sollte auch seine vielfältigen Initiativen nicht vergessen, die u. a. dazu führten, dass es im Jahre 1888 allein in Berlin mehr Fernsprechanschlüsse gab als zur gleichen Zeit in den gesamten Vereinigten Staaten von Amerika.“
Über sein eigenes Schaffen schrieb Stephan: „Die Wirksamkeit der Preußischen Staatspost, früher auf die belebtesten Straßen und größeren Plätze beschränkt, erstreckt sich heute bis auf die einsamsten Weiler in den entlegensten Gegenden des Staates. Ihre unmittelbaren Verbindungen reichen weit über den Europäischen Kontinent bis jenseits des Ozeans in die neue Welt. Vom Bord ihrer Dampfschiffe weht die Preußische Postflagge in den Häfen fremder Mächte und in rastloser Tätigkeit erscheinen an der Spitze der Eisenbahnzüge ihre fliegenden Postbüros. Sie kennt keine ihrem wahren Wesen fremde Zwecke, noch statuiert sie irgend ein Vorrecht Einzelner: Beförderung des Gemeinwohls heißt ihr erstes Gesetz, und frei und offen liegt ihre Wirksamkeit vor Jedermann Auge. So ist sie eine Freundin der Nation, eine Botin des Völkerfriedens geworden, eine Beförderung des Wohlstandes und der Intelligenz, ein Machtelement unseres Vaterlandes. Möge sie fort und fort gedeihen zu seinem Wohl!“