Hildegard von Bingen (1098-1179) war Äbtissin und erste deutsche Mystikerin. Sie verfaßte prophetische, natur- und heilkundliche Schriften und führte etliche Briefwechsel mit Kaisern, Königen und Päpsten. Bis heute wird sie für eine „zeitlos gültige Ernährungsheilkunde“ und aufgrund ihrer ganzheitlichen Sicht auf den Menschen als „glänzende Erweiterung der modernen Schulmedizin und Naturheilkunde“ gefeiert. „In ihrer Ernährungslehre liegt der Schlüssel für den Schutz vor den großen ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten unserer Zeit“, betont Wighard Strelow.
Hildegard von Bingen vertrat die Ansicht, daß „in der Natur, in den Bäumen und in den Pflanzen, in den Kräutern und Gewürzen, Vögeln, Fischen und Tieren und sogar in Edelsteinen (…) starke Heilmittel verborgen“ seien, „die niemand wissen kann, wenn sie einem nicht von Gott geoffenbart werden“.
Die „sechs goldenen Regeln“ von Hildegard von Bingen lesen sich wie ein konservatives Lebensprogramm: Erstens müsse der Mensch als Teil der Schöpfung begriffen werden. Zweitens seien Lebensmittel immer zugleich Heilmittel. Drittens solle der Mensch für einen „natürlichen Schlaf“ sorgen. Viertens fordert sie ein „gesundes Gleichgewicht“ zwischen „Arbeit und Muße“. Fünftens schlägt sie eine „regelmäßige Reinigung und Entgiftung des Körpers“ vor und sechstens ebenso die Entgiftung der Seele.