Richard Strauss (1864-1949) vollbrachte ein Werk aus Opern, Orchesterwerken und Liedern, das Romain Rolland als „letztes großes europäische Ereignis der Musik“ adelte. Kaum weniger euphorisch äußerte sich Stefan Zweig. Strauss sei der „Letzte aus dem großen Geschlecht der deutschen Vollblutmusiker, das von Händel über Beethoven und Brahms“ bis eben zu ihm reiche. Ernst Krause, der „Gestalt und Werk“ von Strauss in einem Buch analysierte, betonte: „Der Meister des psychologischen Zeitalters, der bestechende Klangzauberer und Alleskönner war zugleich der letzte in der Reihe jener Musiker, die in ihrem Denken und Fühlen alle Kräfte vergangener Jahrhunderte in sich vereinigten.“

Strauss sei ein Künstler gewesen, der „sein Vaterland liebte und sich stets als Vertreter seines Volkes fühlte“, obwohl seine Musik natürlich internationale Ausstrahlung hatte und somit „allen Völkern“ gehört. Besondere Berühmtheit erlangte unter anderem der „Sonnenaufgang“ aus „Also sprach Zarathustra“. Krause erklärte dazu, mit „vertonter Philosophie“ habe das nichts zu tun. „In Wahrheit hat Strauss hier nicht die Philosophie Nietzsches in Notenköpfe übertragen, sondern nur den lyrisch-hymnischen Gehalt des Zarathustra-Buches zum Ausgangspunkt des Abschluß genommen. (…) Daß es eigentlich eine musikalische Volksausgabe Nietzsches wurde, letztlich das Gegenteil einer intellektuell scharfen, gedanklich bestechenden Komposition, muß in diesem Fall geradezu versöhnlich stimmen.“