Außer Deutschland, das von einer Industrieflucht betroffen ist, findet weltweit gerade eine Zurückverlagerung von Produktionsstätten und eine Verkürzung von Lieferketten statt. Die Ökonomen sprechen von Reshoring und Deglobalisierung.

Der Trend zur Deglobalisierung hat mehrere Gründe: Zum einen lohnen sich Rückholaktionen für die Industrie, da die Automatisierung zunimmt und die Abhängigkeit von billigen Arbeitskräften folglich abnimmt. Kann ich eine Maschine nahe meines Unternehmenszentrums betreiben, verringert das die Koordinationskosten.

Zum anderen führt die geopolitische Blockbildung zur Deglobalisierung. „Seit Ende 2022 ist ein deutlicher Anstieg der politischen Nähe im Handelsverkehr zu verzeichnen“, zitiert die WELT aus einer Analyse der Welthandelsorganisation. Weiter heißt es in dem Artikel: „So wuchs das Handelsvolumen zwischen Ländern, die sich geopolitisch nahe stehen, seither um rund sechs Prozent. Der Austausch zwischen Staaten, die sich dagegen geopolitisch fernstehen, schrumpfte um mehr als vier Prozent, und sogar noch stärker zwischen Ländern, die sich besonders fernstehen.“

McKinsey kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: „Seit 2017 haben China, Deutschland, das Vereinigte Königreich und die Vereiigten Staaten die geopolitische Entfernung ihrer Handelsbilanz um jeweils vier bis zehn Prozent verringert – d.h. es wurde mehr Handel getrieben mit Ländern, die in der UN-Vollversammlung ähnnlich abstimmen.“

Da es für europäische und deutsche Unternehmen aufgrund der Bürokratie, teurer Energie, Klimakosten, schlechten Infrastruktur et cetera wenig lukrativ ist, mit Standorten ins Heimatland zurückzukehren, steht Deutschland dennoch bei der Deglobalisierung bisher auf der Verliererseite. Denn: Deglobalisierung bedeutet zwangsläufig einen Rückgang der Exporte. „Das Minus für die deutsche Wirtschaftsleistung“ könnte sich „von 2025 bis 2027 (…) auf 71 Milliarden Dollar summieren“, schreibt die WELT dazu.