Edgar Julius Jung (1894-1934) zählte zu den prominentesten Denkern der Konservativen Revolution und wirkte an einem Staatsstreich gegen Hitler im Jahr 1934 mit. Am 1. Juli 1934 wurde er ermordet. Hervorzuheben ist der Mut von Jung vor allem, weil Stauffenberg häufig entgegengehalten wird, sein Attentatsversuch sei zu spät gekommen. Jung ist der Beweis dafür, daß Konservative nicht erst im Laufe des Zweiten Weltkrieges wie eben Stauffenberg oder Sophie Scholl zu Widerstandskämpfern wurden.
Wie der Historiker Karlheinz Weißmann ausführt, stand Jung für eine „Politik nationaler Selbstbehauptung“ und wollte die „geistigen Vorbedingungen einer deutschen Wiedergeburt“ schaffen. Dieser Geist war die „dominierende Weltanschauung in der Zeit der Weimarer Republik“, so Weißmann. Konservativ war Jung dahingehend, daß er „metaphysisch begründete, überindividuelle Werte“ als Grundlage jeder politischen Gemeinschaft erhalten wollte. Revolutionär war er, weil er erkannte, daß man alles zerstören müsse, was diesem Ziel im Wege stand. Dazu zählte vor allem jene „Herrschaft der Minderwertigen“, die Jung im Weimarer Parlamentarismus ausmachte. Gemeint war damit, daß die damalige Demokratie die Unfähigen nach oben beförderte. Das zielte sowohl auf Hitler als auch Politiker anderer Parteien.
Ende der 1920er-Jahre entwickelte Jung seinen Nationalismus zu einem europäischen Gedanken, inspiriert von der Reichsidee, weiter. Er kann also auch als Vordenker eines neuen Europas im Gegensatz zu der Herrschaft der Minderwertigen gelten, wie sie in der Europäischen Union Gestalt angenommen hat. Trotzdem gelang es Jung nicht, eine konsistente Staatsidee zu entwerfen. 1934 reifte in ihm die Überzeugung, „daß ein Putsch allein nicht genügen würde, und erwog eine Zeitlang mit einem Selbstmordkommando die Tötung Hitlers“, erklärt Weißmann. Dazu kam es nicht. Jung verfaßte für Vizekanzler Papen die berühmte „Marburger Rede“, die mit dem Nationalsozialismus abrechnete.
Weiterführend: Daniel Bigalke: Aufstand des Geistes. Konservative Revolutionäre im Profil. BN-Anstoß VIII. Chemnitz 2016.