Friedrich Hölderlin (1770-1843) zählt zu den bedeutendsten deutschen Dichtern und hat das „Geheime Deutschland“ wie kaum ein anderer geprägt. Von ihm stammen die Zeilen: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Berühmt geworden ist zudem seine Beschreibung der Deutschen als „tatenarm und gedankenvoll“. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Hölderlin jedoch lediglich eine „Nebenfigur der Literaturgeschichte“, wie Dieter Borchmeyer in seinem Buch Was ist deutsch? Die Suche einer Nation nach sich selbst (2024) ausführt. Das änderte schließlich Norbert von Hellingrath, der eine Hölderlin-Werkausgabe herausgab. In einem Vortrag mit dem Titel Hölderlin und die Deutschen erklärte Hellingrath, der Kern des deutschen Wesens trete in einem „Geheimen Deutschland“ zutage. Hölderlin sei der Künder jenes „geheimen Reiches“, faßt Borchmeyer die Argumentation zusammen.

Joseph von Eichendorff betont in seiner Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands: „Die deutsche Nation ist die gründlichste, innerlichste, folglich auch beschaulichste unter den europäischen Nationen, mehr ein Volk der Gedanken als der Tat.“ Der Satz klingt eher nach Hölderlin. Vielleicht hat er also doch auch schon zu Lebzeiten seine Spuren hinterlassen.