Thomas Mann (1875-1955) zählt trotz all seiner politischen Wandlungen zu den größten deutschen Schriftstellern. Folgerichtig erhielt er bereits 1929 den Nobelpreis für Literatur. Was war bis 1929 von ihm erschienen? Natürlich die Buddenbrooks. Darüber hinaus – und hier wird es für Konservative Revolutionäre interessant – die Betrachtungen eines Unpolitischen (1918). Mann nimmt darin folgende Gegenüberstellungen vor: „Geist ist nicht Politik: man braucht, als Deutscher, nicht schlechtes neunzehntes Jahrhundert zu sein, um auf Leben und Tod für dieses ’nicht‘ einzustehen. Der Unterschied von Geist und Politik enthält den von Kultur und Zivilisation, von Seele und Gesellschaft, von Freiheit und Stimmrecht, von Kunst und Literatur; und Deutschtum, das ist Kultur, Seele, Freiheit, Kunst und nicht Zivilisation, Gesellschaft, Stimmrecht, Literatur.“
Mann sprach sich in den Betrachtungen eines Unpolitischen für eine „ruhige Bildung“ aus und orientierte sich dabei an Goethe. Zugleich warnte er vor der politisierten, hypermoralischen Kulturszene, die „immer einen Hang zur Bilderstürmerei“ habe. Denn: „Herrschaft der Gesinnung führt leicht zur Kultur- und Kunstfeindlichkeit.“ Stichwort: Cancel Culture.
Von großer Bedeutung ist darüber hinaus Der Zauberberg von 1924. Mann skizzierte darin meisterhaft, wie der Unterschied zwischen „gesund“ und „krank“ Stück für Stück durcheinandergewirbelt werden kann. Es entsteht so eine Gesellschaft, die heilen will, aber krank macht. Der Alltag im Sanatorium auf dem Zauberberg bestand aus „Messen, Essen, Liegen“, heißt es an einer einprägsamen Stelle. In der Corona-Zeit wurde daraus „Testen, Impfen, Netflix, Home Office“. Eine weitere Parallele zur Gegenwart: Der Protagonist aus dem Zauberberg, Hans Castorp, ging zunächst von einem dreiwöchigen Besuch aus, ehe er unter dubiosen Umständen selbst zum Patienten wurde, der nie schwerwiegend krank war, aber eben auch nie richtig gesund werden sollte. Die verordneten Liegekuren wurden somit immer wieder verlängert und der bange Blick auf die Quecksilbersäule des Fieberthermometers zum absurden Ritual.