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Metaphorisches Konzept und Schlüsselbegriff: Außenpolitik wird lagerübergreifend häufig als Balanceakt charakterisiert. Das ist sie in der Tat. Wir wollen unsere eigenen, nationalen Interessen durchsetzen, dürfen uns dabei aber nie wie der Elefant im Porzellanladen aufführen.

Gewachsene, internationale Beziehungen müssen vielmehr auch in schwierigen Zeiten halten. Aus diesem Grund müssen sich z.B. militärische Abschreckung zur Landesverteidigung und friedensstiftende, diplomatische Initiativen stets die Waage halten.

Begrenzung von Macht durch Macht

Im Staatslexikon des Herder-Verlags heißt es: Gleichgewichtspolitik „zählt zu den ältesten Konzepten in Theorie und Praxis der internationalen Beziehungen. Sie ist i.S.v. balance of power und balancing zentral v.a. für die realistische Denk- und Theorieschule der internationalen Politik (Realismus). In einem allgemeinen Sinne bezeichnet G. die Begrenzung von Macht durch Macht sowie die Bestrebung, ein Ungleichgewicht von Machtressourcen zu Lasten der eigenen Seite zu vermeiden.“[1]

Das Abrücken von der Gleichgewichtspolitik seit ca. 100 Jahren führte zur Herausbildung supranationaler Institutionen (EU, Vereinte Nationen, …). Inzwischen sollte jedoch klar sein, daß sie als zahnlose Tiger ohne eigene militärische Macht wenig zur Friedenssicherung beitragen können. Es bleibt folglich dabei: Die Großmächte müssen sich um Gleichgewichte bemühen. Nur das wirkt langfristig friedenssichernd.

[1] Aufschlussreich ist auch der Schlussabsatz des Lexikoneintrags, der eine bleibende Bedeutung der Gleichgewichtspolitik prognostiziert: „Im frühen 21. Jh. verdichten sich die Anzeichen dafür, dass unterschiedliche Staaten wieder verstärkt G. betreiben. Sowohl die von der US-Regierung ab 2011 im Rahmen des Rebalancing to Asia eingeleiteten Maßnahmen als auch die Anlehnung verschiedener asiatischer Staaten an die USA weisen Züge einer G. auf, die auf die Verhinderung einer hegemonialen Stellung Chinas in Ostasien abzielt. Umgekehrt betreibt China durch den Ausbau seiner Seestreitkräfte ein internes balancing gegen die starke US-Position im Pazifik. Trotz der konzeptionell, empirisch und normativ begründeten Kritik an G. ist zu erwarten, dass die balance of power als Kategorie der internationalen Politik relevant bleiben wird.“ Siehe: https://www.staatslexikon-online.de/Lexikon/Gleichgewichtspolitik