
Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) war der vielleicht letzte deutsche Universalgelehrte und erster Präsident der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Während Leibniz vor über 150 Jahren von national gesinnten Professoren wie Edmund von Pfleiderer als „Patriot, Staatsmann und Bildungsträger“ verehrt wurde, hat sich dieser Schwerpunkt bis in die Gegenwart komplett verschoben. Heute wird vor allem seine Rolle bei der Entwicklung des binären Zahlensystems als Notwendigkeit für Computer hervorgehoben. Gleiches gilt für die Theodizee-Frage:
„Für Leibniz war es bei seiner Antwort auf die Theodizee-Frage nicht relevant, wie eine absolut beste Welt aussehen könnte, denn in dieser hätte der Mensch keinen freien Willen und wäre der Steuerung seines Lebens durch Gott wehrlos ausgeliefert. Weil aber der Mensch einen freien Willen habe, sei die für ihn beste aller möglichen Welten eine Welt, die auf diesen freien Willen Rücksicht nimmt. Dies habe dann auch Gott in seiner unendlichen Weisheit und Güte dazu veranlasst, die bestehende Welt als die beste unter allen möglichen Welten zu erschaffen.“
Jürgen Trabant zählt zu den wenigen lebenden Autoren, die auf die immense Bedeutung von Leibniz für die Statushebung der deutschen Sprache hinweisen. Deutsch galt damals als untere Volkssprache. Die Eliten, wozu auch Leibniz zählte, publizierten in lateinischer und französischer Sprache. Leibniz sah darin einen verhängnisvollen Fehler, denn: „Es ist bekannt, dass die Sprache ein Spiegel des Verstandes ist und dass die Völker, wenn sie den Verstand hoch schwingen, auch zugleich die Sprache wohl ausüben, welches der Griechen, Römer und Araber Beispiele zeigen.“
Nach dem Vorbild der französischen Akademie „denkt nun auch Leibniz an eine dreifache Arbeit am Deutschen, die aus ‚Sprach-Brauch‘, ‚Sprach-Schatz‘ und ‚Sprach-Quelle‘ bestehen soll: ein Wörterbuch für ‚durchgehende oder läufige‘ Wörter, eines für Kunst-Wörter und eines für die Geschichte der Wörter“, erklärt Trabant. Warum dieser Aufwand? Korrespondierend mit seiner Monadenlehre erkannte Leibniz, daß jede Sprache eine „bestimmte Art und Weise der Welterfassung“ (Trabant) und eine eigene Art zu Denken erst möglich macht. Herder und Wilhelm von Humboldt nahmen diesen roten Faden auf.