Martin Heidegger (1889-1976) war der bisher letzte bedeutende deutsche Philosoph. Um es mit etwas Gegenwartsbezug auszudrücken, war er der Philosoph, der gegen die Alternativlosigkeit des Denkens und des technischen Fortschritts ankämpfte. In seinem Hauptwerk Sein und Zeit (1927) klang das dann so: „Das Niveau einer Wissenschaft bestimmt sich daraus, wie weit sie einer Krisis ihrer Grundbegriffe fähig ist.“ Und: „Was aber (…) verborgen bleibt oder wieder in die Verdeckung zurückfällt oder nur ‚verstellt‘ sich zeigt, ist (…) das Sein des Seienden. Es kann so weitgehend verdeckt sein, daß es vergessen wird und die Frage nach ihm und seinem Sinn ausbleibt.“

In Was heißt Denken? (1952) heißt es: „Das Bedenklichste ist, daß wir noch nicht denken; immer noch nicht, obgleich der Weltzustand fortgesetzt bedenklicher wird.“ Heidegger war der Ansicht, daß Philosophie dort beginnt, wo Wissenschaft aufhört. Insofern gelte: „Die Wissenschaft denkt nicht.“ Inspirieren ließ sich der deutsche Meisterdenker freilich trotzdem, z.B. von Hölderlin. Zu Heideggers Schülerinnen gehörte unter anderem Hannah Arendt.

Recherche D hat sich intensiv mit Heideggers in Sein und Zeit entwickeltem Angst-Begriff beschäftigt, der im Gegensatz zur Furcht steht. „Wovor die Angst sich ängstet, ist das In-der-Welt-sein selbst“, formulierte Heidegger. Empfehlen möchten wir zudem die Biographie von Lorenz Jäger über Heidegger und sein „deutsches Leben“. Die Vorwürfe, Heidegger habe sich mit seiner berühmten Rektoratsrede dem Nationalsozialismus angedient, ordnete Dieter Borchmeyer in seinem Buch Was ist deutschrichtig ein. Die Rede sei ein „intrikater Text, der sich schwerlich als klares Bekenntnis zum Nationalsozialismus deuten lässt“, schreibt Borchmeyer. „Heidegger übernimmt die Schale des nationalsozialistischen Vokabulars, um es mit neuem – ja wiederholt semantisch entgegengesetztem – Sinn zu füllen.“ Die Rede sei somit ein „heikler Drahtseilakt der eigenen Philosophie über dem Abgrund einer ihr im Grunde fremden Ideologie“ gewesen.