Joseph von Eichendorff (1788-1857) war ein Dichter der Romantik und Autor bekannter Novellen wie z.B. Aus dem Leben eines Taugenichts. Liest man Eichendorffs Biographie, wie z.B. die von Günther Schiwy im Jahr 2000 verfaßte, dann spricht zunächst wenig dafür, ihn zu den 100 wichtigsten Deutschen zu zählen. Eichendorff war nicht viel mehr als ein „ministerieller Hilfsarbeiter“, den eine Lichtgestalt wie Goethe kaum wahrnahm.

Doch trotzdem! Eichendorffs Gedicht „Mondnacht“ zählt ohne Frage zu den berühmtesten, deutschen Versen und bringt das in Worte, was Caspar David Friedrich mit Farbe ausdrückte:

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Dieses Gedicht liefert zugleich den Grund dafür, warum Eichendorff eben doch heraussticht. Niemand hat den deutschen Wald so besungen wie er. Und niemand ist den Sehnsüchten, Ängsten und Träumen, die in der deutschen Seele schlummern, näher gekommen. In Die deutsche Seele1von Thea Dorn und Richard Wagner taucht Eichendorff daher an etlichen Ecken und Enden auf – unter anderem zu den Stichworten „Abendstille“, „Abgrund“, „Arbeitswut“, „Feierabend“, „German Angst“, „Männerchor“ und „Waldeinsamkeit“.

Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit
Da ruhe ich auch, und über mir
Rauschet die schöne Waldeinsamkeit
Und keiner mehr kennt mich auch hier.

Fußnoten