A
ugust Neidhardt von Gneisenau (1760-1841) zählt zu den Hauptinitiatoren der preußischen Reformen im Heer und war der entscheidende militärische Gegenspieler zu Napoleon. 1807 verteidigte er gemeinsam mit Joachim Nettelbeck und dem Freikorps Schill die Festung Kolberg. Daraus wurde ein deutscher Mythos. Danach organisierte er zusammen mit Scharnhorst und Clausewitz das preußische Heer neu. Während es in der Völkerschlacht von Leipzig im Jahr 1813 noch zu einer Pattsituation kam, konnte Napoleon 1815 in Waterloo endgültig besiegt werden.
Zur Bedeutung dieses Siegs führt Wolfgang Venohr in seinem Gneisenau-Portrait aus dem Buch Preußische Profile aus: „Der bourgeoise, imperialistische Kosmopolitismus Napoleons räumte das Feld vor dem staatsbürgerlichen Patriotismus eines Neithardt von Gneisenau. Die große Alternative der Epoche – Weltbürgertum oder Nationalstaat – war entschieden: An diesem Junimorgen des Jahres 1815 begann recht eigentlich das 19. Jahrhundert, triumphierte die nationalstaatliche Entwicklung Europas für mehr als hundert Jahre.“
Gneisenau bezeichnete Napoleon aufgrund seiner frühen Siege als seinen „Lehrmeister in Krieg und Politik“. Ausschlaggebend war darüber hinaus die Prägung durch den Deutschen Idealismus, namentlich Friedrich Schiller, Immanuel Kant und Johann Gottlieb Fichte. Venohr zufolge beruhte die preußische Heeresreform auf Gneisenaus „nationalrevolutionärem Konzept des totalen Volksbefreiungskampfes“. Neben der Einführung der Wehrpflicht bedeutete dies, daß die „herrschenden Klassen ihre Privilegien verlieren würden, wenn sie nicht bereit und willens waren, sich im Befreiungskampf auf die Seite der Nation zu schlagen, sich mit der Sache des Volkes zu solidarisieren.“