Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) ist eine „der Zentralfiguren der deutschen Philosophie der vergangenen Jahrhunderte“, betont Thor v. Waldstein. „Wie vor ihm nur Kant und nach ihm nur Nietzsche prägte Hegel die entscheidenden Theoreme der Philosophie seiner Zeit. Das Geheimnis seiner umfassenden, bis ins 21. Jahrhundert reichenden Wirkung auf das politische Denken der Deutschen besteht nicht zuletzt in dem synthetischen Charakter von Hegels Philosophie, an der ganz unterschiedliche Denkrichtungen andocken können, ohne eigene Kernüberzeugungen über Bord werfen zu müssen.“ Es habe sich folglich ein „Kampf zwischen Links- und Rechtshegelianern“ ergeben. Allein wenn man bedenke, welch prägenden Einfluß Hegel auf Marx ausübte, müsse man feststellen, „daß die Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts ohne Georg Wilhelm Hegel einen ganz anderen Verlauf genommen hätte“.
Über die Dialektik hinaus lehrte Hegel den Deutschen vor allem, daß sie als Volk unbedingt einen Staat brauchen. „In dem Dasein eines Volkes ist der substantielle Zweck, ein Staat zu sein und als solcher sich zu erhalten; ein Volk ohne Staatsbildung (eine Nation als solche) hat eigentlich keine Geschichte“, so Hegel. Thor v. Waldstein skizziert auch die Gefahren dieser Fixierung auf den Staat. Es drohen dann die „vermittelnden Gewalten in einem Volk, die Stände, Genossenschaften, Gemeinden, Familien etc.“ unter die Räder zu kommen.
Zitate
„Die Weltgeschichte ist der Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit.“
“Der Widerspruch ist das Erheben der Vernunft über die Beschränkungen des Verstandes.”